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ISBN: 978-3-942312-09-7

19,50 Euro

Talion wollte nie ein Held sein. Doch als seine kranke Schwester von einem Fremden entführt wird, nimmt er ohne zu zögern die Verfolgung auf. Sein beschwerlicher Weg führt ihn in die Welt der Nacht, ein Land, in dem geheimnisvolle, unheimliche Fabelwesen, Werwölfe und Vampire einen Jahrtausende alten Krieg bestreiten. Durch die Befreiung Kemnais, des ehemaligen Königs der Werwölfe, droht das Gleichgewicht der Kräfte nun zu kippen.

Talion ahnt noch nicht, dass er selbst schon sehr bald im Mittelpunkt dieser schwerwiegenden Ereignisse stehen wird. Doch ganz gleich was auch geschehen mag, sein Leben wird nie wieder sein wie zuvor.

Willkommen in der Welt der Nacht!


Leseprobe:

Im nächsten Moment schallte ein ohrenbetäubender Schrei über das Land. Ein schrilles Kreischen, das Talion schmerzverkrampft zusammenfahren ließ. Er hatte Mühe, nicht das Gleichgewicht zu verlieren, als er die Hände instinktiv gegen die Ohren presste, während der Schrei im Inneren seines Kopfes wütete. Bevor er richtig verstand, was geschehen war, war es auch schon wieder vorüber. Entkräftet fiel er auf die Knie und spie seine Worte keuchend zwischen seinen schweren Atemzügen aus: „Was in aller Götter Namen war das?“

Der Schrei war verstummt, doch Ruhe war nicht eingekehrt. Als wollte sie reagieren, schien auf einmal die ganze Natur um sie herum unruhig zu werden. Bäume schwankten, Büsche und Sträucher raschelten. Unheilvolle Geräusche fanden ihren Weg durch die Nacht, doch im Dunkel war nur wenig zu erkennen. Talion sah und spürte, wie Arves seine Hand packte und ihn mit einem Ruck wieder auf die Beine zog. Hätte er etwas sagen wollen, so hätte er keine Zeit dazu gehabt, denn schon im nächsten Moment stürzte ein lebendiger Schatten aus dem Waldinneren auf sie zu. In einer einzigen, flüssigen Bewegung schwang Arves herum und hielt mit einem Mal seine schimmernde Klinge in der Hand und auf den Fremden gerichtet … der sich glücklicherweise als Narkûr herausstellte.

„Vampire … Sie sind ganz in der Nähe“, keuchte Narkûr. Talion hatte ihn zuvor noch nicht annähernd so aufgeregt erlebt. Die Klinge, die auf seine Kehle gerichtet war, schien ihn nicht zu interessieren. Und auch wenn es keine Furcht sein mochte, die er zu verspüren schien, so war es zumindest Respekt. Respekt vor einem Feind, der schon seit Jahrhunderten gegen seinesgleichen im Krieg bestand. „Sie müssen uns gewittert haben“, fuhr der Werwolf fort. „Wir waren Narren, dass wir unseren Marsch an dieser Stelle unterbrochen haben. Nun hat der Feind uns genau da, wo er uns haben wollte.“

Arves verharrte zunächst starr in seiner Haltung, senkte dann aber das Schwert und sprach in fast befehlsartigem Tonfall an Talion und Emalia gewandt: „Packt eure Sachen zusammen! Wir brechen auf der Stelle auf. Jede weitere Sekunde, die wir hier verharren, kann unser Todesurteil sein.“

„Was ist mit Theu Emu?“, fragte Emalia. Der Feenwolf saß immer noch an seinen Baum gelehnt, doch Narkûrs plötzliches Auftauchen hatte ihn aufschrecken lassen. Nun starrte er zu den anderen herüber.

„Wenn er in den Wald zurückkehrt, ist das sein Tod“, erklärte Narkûr aufgebracht. „Die Vampire werden ihn finden, und allein aufgrund seines Äußeren werden sie keine Gnade walten lassen.“

„Dann kommt er mit uns“, sprach Arves, offensichtlich auf eine schnelle Entscheidung drängend. „Ich kümmere mich darum. Führe du die beiden nach Süden, Narkûr.“ Kaum hatte Arves seine Worte ausgesprochen, schon durchzuckte ein weiterer Schrei die Nacht. Erneut raubte es Talion die Sinne und ließ ihn in Schmerzen zusammenfahren, doch dieses Mal hielt er sich krampfhaft auf den Beinen.

Arves hatte sich bereits zu Theu Emu begeben. Talion wusste nicht, was er gedachte zu tun. Den Feenwolf überreden? War das denn überhaupt vonnöten? War es nicht mehr als offensichtlich, dass er den Wald zurzeit nicht mehr betreten konnte, ohne als Vampir-Futter zu enden? Wie auch immer … jetzt war nicht die Zeit des langen Nachdenkens. Wenn sie schnell genug waren, konnten sie dem Tod vielleicht noch entrinnen.

Narkûr forderte Talion und Emalia auf, ihm zu folgen, dann wandte er seinen Blick in die Ferne und lief voraus, hinfort vom Waldrand und auf die Steppe hinaus, die in nächtliches Grau getaucht war. Talion gab sein Bestes, um mit dem Werwolf Schritt zu halten, doch er warf auch immer wieder einen Blick zu Emalia, um sich zu vergewissern, dass sie nicht zurückblieb. Schon bald holte sie ihn ein und er ließ sie voran laufen.

Sie waren noch nicht weit gekommen, als Talion plötzlich zum Stillstand kam. Erst jetzt fiel ihm schlagartig auf, dass sie in die falsche Richtung liefen, dass er in die falsche Richtung lief. Er fuhr herum und sein Blick fiel auf die großen Berge, deren Umrisse im mysteriösen Nachtschimmer zu erkennen waren. Hinter diesen Bergen lag sein Zuhause, dorthin wollte er zurück und sonst nirgendwohin. Nun floh er genau in die entgegengesetzte Richtung und ließ damit die Hoffnung, seine Heimat wiederzusehen, hinter sich. Diese Welt des Dunkels würde ihn immer weiter in sich hineinzerren, wenn er sich jetzt nicht dagegen entschied.  Er hatte sich ja bereits entschieden, nur jetzt … jetzt war alles anders. Seine Versprechen, gegen die Vampire zu kämpfen, erst vor dem brennenden Ibrêlam und später gegenüber Emalia, die Geschichten, die er gehört hatte, über die Wesen der Finsternis: Werwölfe, Vampire … all dies kreiste in diesem Moment durch seinen Kopf und ließ ihn untätig in der Gegend stehen, nicht in der Lage, sich zu entscheiden. Er wollte nachhause, so viel stand fest, aber da war noch etwas anderes … etwas, das ihn in dieser Welt gefangen hielt, was sich um ihn krallte und ihn nicht los ließ. Wie in Fesseln gelegt war er nicht mehr fähig, zu handeln. Ein törichtes Wagnis, wie sich im nächsten Moment herausstellen sollte.

Etwas war nah an ihn heran gekommen … tödlich nah. Talion erkannte nur schwarze Umrisse, als es plötzlich auf ihn zugesprungen kam. Mit einem Mal erfüllte wieder das unerträgliche Kreischen seinen Kopf. Er kämpfte dagegen an, versuchte krampfhaft und mit zusammengekniffenen Augen, standfest zu bleiben, doch es riss ihn nieder, warf ihn auf den kalten Erdboden. Nicht der Schrei, sondern das Etwas, das ihn soeben attackiert hatte. Es war direkt über ihm und sein Gewicht nahm ihm den Atem. Als er die Augen öffnete, sah er in ein Gesicht, das wie die bizarre Kreuzung aus Mensch und Fledermaus wirkte. Das Wesen hatte fauchend sein Maul weit aufgerissen, sodass Talion die langen, messerscharfen Fangzähne, die nach seinem Blut gierten, erkennen konnte. Als sein Blick nach oben glitt, sah er in mordlustige Augen.

Etwas wirbelte blitzschnell durch die Luft. Ob Kralle oder Klinge, vermochte Talion nicht zu sagen, doch plötzlich spürte er einen stechenden Schmerz in seiner linken Schulter. Etwas Metallisch-Kaltes ließ seinen ganzen Leib zusammenfahren und presste ihn auf den Boden. Wieder der Schrei, doch es war nicht der gleiche wie zuvor, denn er klang seltsam vertraut. Es vergingen einige Augenblicke, ehe Talion verstand, dass es sich um seinen eigenen Schrei handelte. Er glaubte zu spüren, wie zumindest eine seiner beiden Hände außer Kontrolle nach etwas schlug und doch kein Ziel fand. Seine Augen erkannten im Dunkeln nicht viel mehr als einige hektische Bewegungen im Chaos. Da, wieder ein Geräusch. Aber war auf seine Ohren noch Verlass? Ein Zischen, wie messerscharfes Metall, das den Wind durchschnitt. Dann ein Aufprall. Talion spürte, wie der Angreifer von seinem Körper gerissen wurde.

Schritte, schnelle Schritte. Jemand lief auf ihn zu. Er meinte, Arves‘ Stimme zu vernehmen, ja, es musste Arves sein. War Theu Emu bei ihm? Talion hob vorsichtig den Kopf. Im Oberkörper des leblosen Vampirs steckte ein Armbrustbolzen. Tief war er in das Fleisch eingedrungen. Die zugehörige Armbrust befand sich in Arves‘ Händen, jenes Mordinstrument, das Talion schon zuvor zu Gesicht bekommen hatte. Plötzlich überkam ihn heftiger Schwindel und Übelkeit. Sein Kopf glitt wieder zu Boden, Gras berührte seinen Nacken. Die Welt um ihn entschwand langsam, überdeckt von Kälte, die von seiner linken Schulter ausging. Da waren plötzlich neue Stimmen, doch sie drangen aus weiter Ferne zu ihm, wie Eindrücke aus einer fremden Welt. Schwärze umhüllte ihn. Die Kälte hatte ihn endgültig erfasst. Stille umgarnte ihn. Dann plötzlich: Farben, Bilder, Licht … gefolgt von einer Leere, die der Ewigkeit gleich kam.