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ISBN: 978-3-942312-03-5

15,00 Euro 

Jackie ist einsam. Manchmal kommt es ihr vor, als ziehe das Leben an ihr vorbei wie ein Film, den sie aus der Entfernung auf einer Leinwand betrachtet. Als ihre Freundin Hieke vorschlägt, den Sommer gemeinsam auf der süddänischen Insel Alsen zu verbringen, um dort einen Imbissstand zu eröffnen, tut sie das Ganze zunächst als verrückte Idee ab. Doch ehe sie sich versieht, findet sie sich auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit hinter dem Tresen eines Eis- und Würstchenkiosks wieder. Überraschend schnell beginnt sie sich in dem kleinen Dorf wohl zu fühlen und Anteil am Leben der Bewohner zu nehmen, ist fasziniert von dem starken Gemeinschaftsgefühl, das sie unter diesen scheinbaren Außenseitern erlebt. Als sie sich schließlich in den Restaurantbesitzer Deco verliebt, scheint ihrem Glück nichts mehr im Weg zu stehen. Aber auch Decos Vergangenheit birgt Geheimnisse, die er nur ungern preisgibt.

„Schmugglersommer“ ist eine Geschichte von Liebe und Freundschaft, Trauer und Freude und von der tief verwurzelten Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit. Vor allem aber ist der Roman eine Liebeserklärung an die Insel Alsen mit ihrer wundervollen Natur und all ihren freundlichen, aufgeschlossenen, sturen, schrulligen und absolut liebenswerten Menschen.

Leseprobe:

Die schmale Straße schlängelte sich über sanfte Hügelkuppen, vorbei an satten grünen Wiesen, Wäldchen, deren Bäume gerade ihre ersten zartgrünen Knospen angesetzt hatten und deren Böden mit Buschwindröschen und gelben Sumpfdotterblumen übersät waren, kleinen Dörfern, vereinzelten Bauerngehöften und weiß gekalkten Kirchen mit roten Ziegeldächern. Dann, nach einer scharfen Rechtskurve am Fuße eines Hügels, sah ich plötzlich zu unserer Linken das Meer. Eine Weile fuhren wir direkt am Ufer entlang, links von uns nur Dünen, Sandstrand und Wellen. Die rechte Straßenseite säumte eine Ansammlung von Holzhäusern unterschiedlichster Größen, Formen und Farben - Ferienhäuser. Ein wenig weiter landeinwärts, beinahe so, als hielten sie sich absichtlich im Hintergrund, lagen ein paar vereinzelte Backsteinhäuser. Sie mussten den ursprünglichen Bewohnern dieses Küststreifens gehören. Noch etwas weiter hügelaufwärts konnte ich einen Bauernhof ausmachen. Wir rollten vorbei an einem Restaurant mit dem klangvollen Namen „Strandperle“ und kamen schließlich vor einem  gelb gestrichenen Steinhaus zum Stehen, an dessen rechter Seite, wie ein überdimensionales Schwalbennest, ein ebenfalls gelber Holzverschlag klebte.
„Voilá, da wären wir!“ Hieke stieg aus, wandte sich zum Strand um und sog genüsslich die würzige Luft ein, die nach Meerwasser und Tang roch. „Schau dir doch bloß mal diese Aussicht an!“ Sie breitete die Arme aus, als wolle sie alles ringsherum umarmen. „Gigantisch, oder? Und das jeden Tag, den ganzen Sommer über - herrlich, oder etwa nicht?“
„Schon, aber ... bist du sicher dass du damit auch Geld verdienen kannst?“, wandte ich vorsichtig ein.
„Klar doch!“ Hieke wischte meinen Einwand mit einer ungeduldigen Handbewegung fort. „Im Moment sieht's hier vielleicht noch etwas verlassen aus, aber, glaub mir, sobald es etwas wärmer wird, ist hier richtig was los. Die Leute lieben diesen Strand. Und ganz besonders die Hamburger und Flensburger. Wegen der Sprache brauchst du dir also überhaupt keine Sorgen zu machen - im Sommer werden hier wahrscheinlich mehr Deutsche sein als Dänen.“
Während Hieke noch sprach, hatte ich mich vorsichtig dem blass gelben Bretterverschlag genähert, der anscheinend unseren potentiellen Arbeitsplatz darstellen sollte, zumindest deutete ein windschiefes Holzschild mit der Aufschrift „zu vermieten“ darauf hin.
Das Ganze machte einen nicht eben gepflegten Eindruck. Die gelbe Farbe der Holzbude war nicht nur verblasst, sondern an vielen Stellen schon völlig abgeplatzt, und überhaupt schienen die zwei angerosteten Metalluken, mit denen die Fenster verschlossen waren, das Stabilste an der ganzen Konstruktion zu sein. Über den Fenstern war ein verwittertes Schild angebracht, dessen Aufschrift „Kiosk - Getränke, Würstchen & Eis“ nur  noch mit Mühe zu entziffern war. Auf der gefliesten Terrasse, die wohl einst als Sitzplatz für die Gäste gedient hatte, hatten Maulwürfe und Wühlmäuse ganze Arbeit geleistet. Kaum eine Fliese lag noch an ihrem ursprünglichen Platz, und alles war von Unkraut überwuchert. Ein schiefer Bretterzaun, an dem ein paar rostige Fahrradgestelle lehnten, vervollständigte dieses Bild des Verfalls.

Am liebsten wäre ich sofort wieder umgekehrt, doch unsere Ankunft war bereits bemerkt worden. Ein Mann kam aus dem gelben Haus, steuerte zielsicher auf meine Freundin Hieke zu und begrüßte sie mit einem Handschlag und einem breiten Grinsen.
„Hieke Hansen?“
„Ja. Und du musst Christian Thomsen sein?“
„Genau. Aber nenn mich ruhig Kedde. Das tun alle hier.“
Wieder einmal musste ich mir erst ins Gedächtnis rufen, dass sich in Dänemark alle duzten. Ob ich mich jemals daran gewöhnen würde? Hieke schien damit jedenfalls kein Problem zu haben.
„Und das hier ist meine Freundin Jaqueline Jeske.“
„Tag.“ Der Mann drückte mir die Hand und nickte kurz in meine Richtung. Dann wandte er sich sofort wieder Hieke zu. Er schien mit einem Blick erfasst zu haben, wer von uns beiden das Sagen hatte. Während er uns zum Haus führte, redete er ununterbrochen auf sie ein. Ich gab mir redliche Mühe, seinen Ausführungen zu folgen, aber da er nicht nur wahnsinnig schnell, sondern auch noch breitestes Sønderjysk sprach, musste ich bald kapitulieren. Ich beschränkte mich darauf, hier und da ein paar Worte aufzuschnappen und musterte den Mann verstohlen.
Er musste in den Sechzigern sein, war groß und kräftig gebaut und trug eine ausgebeulte Jeans, Hosenträger über einem karierten Hemd und Holzpantinen. Sein üppiger Bauchansatz und das fleischige Gesicht mit der leicht geröteten Nase verrieten seine Leidenschaft für gutes Essen und alkoholische Getränke. Doch seine grauen Augen huschten, während er unaufhörlich weitersprach, wieselflink hin und her. Sie schienen jedes Detail genauestens wahrzunehmen und abzuwägen. Diese Augen verrieten mir, dass man den Mann nicht unterschätzen durfte.

Inzwischen hatte er uns in sein Wohnzimmer geleitet, wo seine Frau, die er als Yvonne vorstellte, uns Kaffee servierte. Sie war eine üppige Blondine, eine jener Frauen in den Fünfzigern, die sich offenbar nur schwer damit abfinden konnten, dass sie nicht mehr zwanzig waren, und die diese Tatsache mittels einer Fülle von Kosmetika, Schmuck und allzu farbenfroher Kleidung zu kaschieren versuchten. Ich fragte mich, ob ihre Haarfarbe echt war - ihr Lächeln jedenfalls war es nicht. Wahrscheinlich würde sie froh sein, wenn wir so schnell wie möglich wieder aus ihrem Wohnzimmer verschwanden - ich kam mir in dem mit schweren, antiken Möbeln, Nippes und gehäkelten Zierdeckchen überladenen Raum, der trotz allen Zierrates staubig, ja, sogar schmuddelig wirkte und nach schalem Zigarettenrauch roch, jedenfalls reichlich fehl am Platze vor.
Kedde Thomsen redete immer noch auf Hieke ein, die seinen Wortschwall nur ab und zu mit einer zustimmenden Bemerkung und einem energischen Nicken unterbrach. Sie schienen sich einig zu werden.
„Na, dann schauen wir's uns doch mal an.“ Thomsen erhob sich umständlich aus seinem Sessel und deutete uns, ihm zu folgen. Seine Frau geleitete uns zur Tür, die sie mit Nachdruck hinter uns schloss.

Thomsen holte einen Schlüssel aus der Hosentasche und machte Anstalten, die schmale Eingangstür des Holzverschlages aufzuschließen, doch offenbar klemmte das Schloss. Mit einem gezielten Fußtritt gelang es ihm schließlich, die Tür zu öffnen, und wir gingen hinein. Der Innenraum schien zweigeteilt zu sein. Wir befanden uns in einer Art Lagerraum. Eine nackte, von Staub und Spinnweben überzogene Glühlampe an der Decke warf ein trübes Licht auf das Sammelsurium von leeren Bierkisten, rostigen Schildern, Eimern, Gartengeräten, Fahrrädern und sonstigem Krimskrams, mit dem der Raum angefüllt war. Nur ein schmaler Korridor war freigelassen worden, der zu einer weiteren Tür führte. Durch diese gelangten wir in den eigentlichen Verkaufsraum. Der rechteckige Raum wurde an der Stirnseite von zwei großen Schiebefenstern dominiert, die jetzt allerdings mithilfe der metallenen Fensterläden fest verschlossen waren. Unter den Fenstern lief eine schmale Theke entlang, und in der linken hinteren Ecke befand sich ein Waschbecken. Ansonsten unterschied sich der Raum vom Lager nur dadurch, dass sich unter der beeindruckenden Ansammlung von Sperrmüll, mit dem er vollgestopft war, auch mehrere altertümliche Kühlschränke, eine Fritteuse, eine riesige Gefriertruhe sowie einige weitere Küchengeräte befanden.
„Seht ihr, hier ist alles, was ihr braucht.“ Thomsen präsentierte uns diese Rumpelkammer mit der Miene eines Gebrauchtwagenhändlers, der ein echtes Schnäppchen anpreist.
„Wir brauchen aber einen Backofen für die Brötchen“, wandte Hieke ein. Ich starrte sie ungläubig an. Sie schien sich tatsächlich in Gedanken schon in dieser Bruchbude häuslich einzurichten. Ließ sie sich denn wirklich durch nichts von ihrer fixen Idee abbringen?


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