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ISBN: 978-3-942312-00-4

19,50 Euro

Ein traumatisches Erlebnis hat die siebzehnjährige Emily in eine Welt aus Schmerz und Angst stürzen lassen. Dennoch versucht sie mit dem Mut der Verzweiflung einen Neuanfang.
Dabei lernt sie Niclas kennen, bildhübsch und unnahbar. Trotz seiner abweisenden Art, fühlt Emily sich zu ihm hingezogen. Doch auch ein seinem Leben scheint es ein dunkles Geheimnis zu geben. 
Wird die aufkeimende Liebe der beiden jungen Menschen zueinander stärker sein, als die Schatten der Vergangenheit? Oder werden beide an diesen Gefühlen zerbrechen? 

Leseprobe: 

Emily saß weiterhin dicht neben Niclas, sie sprach mit ihm, streichelte sein Gesicht, küsste ihn, und hoffte verzweifelt auf diesen alles entscheidenden Satz des Arztes. Dr. Chambers stand neben ihr und überprüfte zum wiederholten Male die verschiedenen Geräte.
„Er ist seit einiger Zeit sehr unruhig. Hat er vielleicht Schmerzen?“ Emily klang ängstlich.
Sie beobachtete den Arzt, der den Kopf schüttelte. „Nein, er bekommt starke Schmerzmittel. Allerdings kann es sein, dass die Beruhigungsmittel nicht mehr richtig wirken, ich werde die Dosis etwas erhöhen. Und es kann durchaus sein, dass er sich im Unterbewusstsein an das erinnert, was passiert ist, und deshalb so unruhig ist.“
Emily nickte. „Ja, das kann sein. Es war schrecklich.“
„Das kann ich mir vorstellen.“ Der Arzt legte ihr die Hand auf die Schulter und fuhr fort: „Aber es ist gut, dass Sie bei ihm sind. Er spürt Sie, ganz sicher. Sehen Sie nur, er wird sofort ruhiger, wenn er Ihre Stimme hört oder Sie ihn berühren. Halten Sie durch, Emily! Wir können ihm mit unserem Wissen und der besten medizinischen Versorgung helfen, aber Sie helfen ihm mit ihrer Liebe, und ich weiß nicht, was jetzt wichtiger ist für ihn.“
Emily lächelte ihm dankbar zu. Sie wusste, er wollte sie aufmuntern und trösten, und dafür war sie wirklich dankbar. Auch wenn ihr klar war, dass ihre Liebe alleine Niclas in dieser Nacht nicht würde retten können. Und so saß sie weiterhin an seiner Seite, betete und sprach mit ihm. Manchmal verzog er das Gesicht, als ob er einen schlimmen Traum hätte, dann wieder murmelte er ganz leise ihren Namen, und nur wenn sie sich über ihn beugte und sanft sein Gesicht streichelte, ihn berührte, küsste und zu ihm sprach, wurde er wieder ruhig. 

Draußen herrschte noch tiefste Dunkelheit, als eines der Geräte anfing zu blinken und zu piepen. Innerhalb von Sekunden war Dr. Chambers da und bat Emily, zur Seite zu gehen. Sie stand mit weit aufgerissenen Augen an der Wand und starrte auf den Arzt und Schwester Cybil, die hinzu geeilt war. Eine namenlose Angst breitete sich in ihr aus, und ihre Kehle wurde eng. Nach einer endlos scheinenden Zeit wandte Dr. Chambers sich zu ihr um und sagte vorsichtig: „Emily, es tut mir leid, seine Funktionen werden schwächer. Sie müssen jetzt mit dem Schlimmsten rechnen. Es tut mir wirklich sehr leid.“
Emily starrte ihn an und sah dann zu Niclas hin. „Was? Nein! Nein, er darf nicht sterben! Sie müssen doch irgendetwas tun können. Oh Gott, bitte, Sie dürfen nicht aufgeben, bitte nicht!“ Ihre Stimme brach und sie schlug die Hände vors Gesicht, während heiße Tränen zwischen ihren Finger hervorquollen.
Dr. Chambers wechselte einen Blick mit Cybil. „Glauben Sie mir, ich gebe niemals auf. Und wir tun, was wir können, aber manchmal sind leider auch wir machtlos.“

Nachdem die beiden den Raum verlassen hatten, setzte Emily sich wieder auf den Stuhl. Sie sah auf Niclas herunter, auf sein Gesicht, das sie so sehr liebte. Auf seine Lippen, die ihr die verrücktesten Zärtlichkeiten ins Ohr flüsterten. Seine Hände, die sie über unüberwindbare Klippen führten. Seine Arme, die sie hielten, wenn sie in der Nacht weinend aufwachte, und die die schwarzen Schatten von ihr fernhielten. Sie konnte nicht leben ohne ihn, das war völlig unmöglich. Er war ihr Halt, ihr bester Freund, ihr Leben, ihre Liebe. Und zum ersten Mal, seit sie dieses Zimmer betreten hatte, verlor Emily völlig die Fassung. Sie ließ den Kopf auf das Kissen sinken und weinte hemmungslos. Der Schmerz, der in ihr tobte, wurde schier übermächtig, sie hatte das Gefühl, eine eiserne Faust würde ihre Brust zerquetschen.
„Bitte, lass mich nicht alleine! Bitte ...“ Sie richtete sich ein wenig auf und starrte Niclas beschwörend an, als ob sie ihn so aufwecken und wieder gesund machen könnte.

‚Zweifele nicht an mir, Emily. Zweifele nicht an dir. Du bist mein ganzes Glück, daran musst du immer glauben. Tust du das? Bitte, auch wenn du an sonst nichts mehr glauben kannst, glaube an mich.‘

Niclas‘ Worte kamen ihr in den Sinn. „Erinnerst du dich, dass du mir gesagt hast, dass ich immer an dich glauben kann? Auch wenn ich an sonst nichts mehr glauben könnte? Und das tue ich, Nic. Ich glaube an dich, und daran, dass unsere Liebe so stark ist, dass du alles tun wirst, um mich nicht alleine zu lassen. Bitte, Nic, kämpfe! Bitte! Bleib bei mir, bitte!“, flüsterte sie. Sie senkte den Kopf und atmete tief durch. Nie hatte sie gewusst, dass man solche Schmerzen in sich fühlen konnte. Selbst damals nicht, als alles in ihr zerbrach, war es nicht einmal annähernd so schlimm gewesen wie jetzt. Sie schloss die Augen und ihre Stimme klang wie von weit entfernt an ihr Ohr, als sie leise sagte: „Aber ... falls deine Kraft nicht ausreichen sollte, du es nicht schaffst, dann ... dann kann ich auch nicht hier bleiben.“ Ein Zittern lief durch ihren Körper und ein ersticktes Schluchzen kam aus ihrer Kehle, als sie stockend weiter sprach. „Ich weiß, dass du das nicht wolltest, aber ... ich kann das nicht. Ich kann nicht hier sein ohne dich. Wie soll ich das ertragen? Wie? Und deshalb ... wenn du gehst, werde ich mit dir gehen. Ich weiß, es wird eine Möglichkeit für mich geben, ich werde sie finden.“

Emily öffnete ihre Augen wieder und ihr Blick verlor sich im Nichts, als sie wie benommen flüsterte: „Die Brücke ... die Brücke, die über den Highway führt. Sie ist hoch genug.“ Sie senkte den Blick und sah Niclas an. „Bitte ... verachte mich nicht dafür. Ich kann ohne dich nicht mehr stark sein. Ich weiß nicht, wie, und ich habe solche Angst vor einem Leben ohne dich. Ich schaff das nicht, ich schaff das nicht!“ Sie strich Niclas voller Zärtlichkeit über das Gesicht, dann legte sie den Kopf neben seinen auf das Kissen und schmiegte ihr Gesicht an seine Wange. Ihre Hand umklammerte seine und sie verharrte still in dieser Position, während sie lautlos weinte. 

Ein neuer Morgen zog herauf, als Dr. Chambers zum wiederholten Male die Geräte überprüfte und Emily überrascht ansah. „Es ist unglaublich, aber seine Werte verbessern sich stetig. Es ist, als ob ein Ruck durch ihn hindurch gegangen wäre. Etwas, was ihn zurück ins Leben geholt hat. Was haben Sie mit ihm gemacht?“ Der Arzt lächelte.
Emily sah ihn unsicher an. Hatte sie ihn gerade richtig verstanden? „Sie ... Sie meinen, Niclas wird wieder gesund?“, fragte sie mit zitternder Stimme. Ihr Blick hing flehend an dem Arzt. Er nickte. „Also, im Moment sieht das alles sehr gut aus, ich bin sehr zuversichtlich. Wenn sich seine Werte weiterhin so verbessern, können wir das Beruhigungsmittel bald absetzen und er wird vollständig zu sich kommen. Das wünschen Sie sich doch, hab ich Recht?“
Emily nickte. „Ja.“ Sie sah dem Arzt hinterher, dann wandte sie sich wieder Niclas zu. „Oh mein Gott, hast du das gehört? Du wirst wieder gesund. Du wirst es schaffen. Gott sei Dank.“ Sie konnte die Erleichterung und die Dankbarkeit, die sie gerade empfand, kaum beschreiben, so überwältigend waren diese Empfindungen. Sie senkte den Kopf und küsste Niclas vorsichtig auf den Mund. „Ach, Nic, ich bin so glücklich, so unsagbar glücklich.“ Sie schmiegte ihr Gesicht wieder an seines, während Tränen der Erleichterung über ihre Wangen rollten. 

Peter Delaney sah voller Anspannung hoch, als Dr. Mark Chambers auf ihn und die anderen zukam. Der junge Arzt lächelte jedoch. „Ich bringe gute Neuigkeiten.“ Er erzählte den müde, aber gespannt Zuhörenden von Niclas‘ Fortschritten. Peter drückte Taylors Hand. „Das sind wirklich ganz hervorragende Neuigkeiten. Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll. Sie haben meinem Sohn das Leben gerettet.“
Dr. Chambers nickte. „Nun ja, mein Team und ich haben unseren Teil dazu beigetragen, aber die junge Dame an der Seite Ihres Sohnes ganz sicher auch. Es ist erstaunlich, zu sehen, wie ihr Sohn auf sie reagiert. Er war in der Nacht oft unruhig, aber ihre Nähe hat ihm offenbar sehr geholfen. Er wurde sofort ruhiger, wenn sie mit ihm sprach oder ihn berührt hat. Und das, was ich jetzt sage, sage ich als Privatperson, nicht als Arzt, denn es gibt keine wissenschaftlichen Belege für so etwas, aber ich denke, ohne Emily hätte Niclas die Nacht nicht durchgestanden“, erwiderte er lächelnd. Peter nickte, während Dr. Chambers leise sagte: „Sie war heute Nacht wohl sein Schutzengel.“